„Hafer hat ein gelerntes positives Image“

Ein Interview mit Dr. Timo Winkelmann, Geschäftsführer frischli Milchwerke GmbH.

Der große Gewinner bei Milchalternative ist Hafer. Worauf führen Sie dies zurück?

Dr. Winkelmann: Aus meiner Sicht gibt es mehrere Gründe, weshalb sich der Hafer aktuell als Rohstoffbasis für Milchalternativen durchsetzt. Erstens treffen Produkte auf Haferbasis den Geschmack vieler Konsumenten. Der Hafer-Geschmack harmoniert gut mit dem Geschmacksprofil verschiedener klassischer Milchverwendungen z.B. im Müsli oder im Kaffee. Und zweitens hat Hafer ein gelerntes positives Image als gesundes Lebensmittel beispielsweise als Haferflocken oder Haferbrei. Drittens ist Hafer im Gegensatz z.B. zu Mandeln oder Kokosnuss ein regionaler Rohstoff, der sehr nachhaltig in Deutschland angebaut und gewonnen werden kann, und auch in Bioqualität verfügbar ist.

Das Thema Milchalternativen hat sich über die letzten Jahre allmählich aufgebaut. Welche Dynamik sehen Sie jetzt im Markt? Kommt der Durchbruch im großen Stil?

Dr. Winkelmann: Aus meiner Sicht wird es auch langfristig ein Nebeneinander von klassischen Milchprodukten und Produkten auf Pflanzenbasis geben. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass sich beide Produktkategorien ernährungsphysiologisch deutlich unterschieden und jeweils andere Nährstoffbedarfe der Verbraucher bedienen.

Die pflanzlichen Alternativen werden aus meiner Sicht noch einmal einen deutlichen Absatzschub erfahren, sobald sie die Preisparität mit den jeweiligen Milchprodukten erreicht haben oder vielleicht sogar die Preisführerschaft in ihren Segmenten übernommen haben. Dann werden die Produkte in weiteren Verbraucherschichten und Märkten Verbreitung finden.

Welche Herausforderungen müssen noch aus dem Weg geräumt werden?

Dr. Winkelmann: Bislang finden sich sehr unterschiedliche Produktqualitäten am Markt. Diese werden sich z.T. noch weiterentwickeln müssen, um breite Akzeptanz zu finden. Des Weiteren müssen sich die Strukturen in der Wertschöpfungskette noch weiter ausbilden. Aktuell gibt es sehr viele Einzelaktivitäten am Markt, die noch besser verzahnt werden könnten.

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