„Drohnen sind das Wachstumsfeld der Stunde“
Der österreichische Spezialmotorenhersteller Steyr Motors treibt seine Expansion im Defence-Segment und in der Spezialmotorentechnik voran. Mit kompakten Hochleistungsdieselmotoren ist das Unternehmen seit vielen Jahren in militärischen und zivilen Anwendungen vertreten. Im Gespräch erläutert CFO Christoph Cerar die strategischen Wachstumsfelder des Unternehmens, den Umgang mit geopolitischen Veränderungen und die Rolle von Partnerschaften.
Sie verfolgen ambitionierte Expansionspläne im Defence-Segment und in der Spezialmotorentechnik. Welche Vision steht hinter diesem Wachstumskurs, und welche zentralen Meilensteine definieren für Sie den Weg dorthin?
Wir entwickeln und produzieren kompakte Spezialdieselmotoren, rund zwei Drittel unseres Geschäfts entfallen heute auf den Defence-Bereich. Ein wichtiger Treiber sind dabei langjährige Partnerschaften mit großen internationalen Industriepartnern. Die Verteidigungsindustrie ist von sehr langen Entwicklungs- und Erprobungszeiten geprägt. Das bedeutet im Umkehrschluss auch: Ist ein Motor einmal in eine Plattform integriert, bleibt er dort oft über viele Jahre im Einsatz. Für uns schafft dies eine außergewöhnlich hohe Planbarkeit.
Unser jüngster Meilenstein ist die Entwicklung eines Dieselaggregats zur mobilen Stromerzeugung. Die Power Unit wurde speziell für militärische Anwendungen entwickelt und ist deutlich leichter und kompakter als vergleichbare Systeme am Markt. Die Serienproduktion soll gegen Ende dieses Jahres starten. Perspektivisch sehen wir hier auch Einsatzmöglichkeiten in neuen Anwendungsfeldern wie unbemannten Systemen. Drohnen waren vor etwa drei Jahren faktisch kaum Thema, heute beobachten wir einen sprunghaften Anstieg des Bedarfs und haben eines der größten Wachstumsfelder für uns identifiziert. Unsere Motoren zeichnen sich dadurch aus, dass sie kleiner, leichter und deutlich kompakter sind als die Modelle anderer Hersteller. Damit sind Drohnen für sie nahezu der ideale Einsatzbereich. Insbesondere für Marinedrohnen, sogenannte „Unmanned Surface Vehicles“ (USVs), zeigt sich ein sprunghafter Anstieg der Nachfrage. Für das Geschäftsjahr 2026 wird in diesem Teilbereich eine Verzehnfachung des Absatzvolumens zum Vorjahr prognostiziert.
Parallel treiben wir unsere internationale Expansion voran. Europa bleibt ein wichtiger Markt, gleichzeitig sehen wir großes Potenzial in den USA als weltweit größtem Verteidigungsmarkt. Darüber hinaus erschließen wir weitere internationale Märkte, etwa in Asien oder Lateinamerika, vor allem im zivilen Bereich. Unser technologischer Fokus bleibt dabei klar: leichte, kompakte und leistungsstarke Motorenlösungen.
In welchem Ausmaß wirken sich geopolitische Spannungen sowie verschärfte regulatorische Vorgaben, etwa Exportkontrollen, auf Ihre Lieferketten im Verteidigungsbereich aus? Wie stellen Sie sicher, dass diese zugleich resilient und finanziell solide aufgestellt sind?
Die geopolitischen Entwicklungen der vergangenen Jahre haben den Verteidigungssektor grundlegend verändert. Viele europäische Staaten investieren stärker in ihre Verteidigungsfähigkeiten und bauen gleichzeitig ihre industrielle Basis aus – Europa will unabhängiger werden. Für uns führt das zu einer steigenden Nachfrage nach entsprechenden Technologien.
Exportkontrollen gehören im Defence-Geschäft zum Alltag. Sie erhöhen zwar den administrativen Aufwand, sind für uns aber grundsätzlich gut handhabbar, da wir über etablierte Prozesse verfügen und unser Angebot auf die Länder abstimmen, die wir beliefern – in China liefern wir z.B. nur Motoren für Rettungsboote aus und würden hier nie ein Defence-Geschäft forcieren.
Finanziell setzen wir stark auf Working-Capital-basierte Strukturen. Ein wichtiger Baustein ist Factoring, mit dem wir Forderungen flexibel finanzieren können. Das ermöglicht es uns, auch Produktionssteigerungen oder längere Zahlungsziele einzelner Kunden liquide abzubilden. Durch die hohe Bonität der Key-Account Kunden von Steyr Motors (z.B. Rheinmetall und KNDS) sind Limits einzelner Kunden bei der Verwendung von Factoring nur selten ein limitierender Faktor.
Die Verteidigungsbudgets vieler Länder steigen deutlich, zugleich intensivieren Sie die Zusammenarbeit mit Industriepartnern – darunter auch Rheinmetall. Wie stellen Sie Ihr Unternehmen strategisch auf, um den dynamischen Nachfrageschub im Defence-Segment nachhaltig zu bedienen?
Im Zentrum der Diskussion steht hier oft der Ausbau von Produktionskapazitäten, allerdings verfügen wir hier über eine sehr solide Ausgangsbasis. In der Vergangenheit haben wir bereits höhere Volumina produziert und sind in der Lage, in der aktuellen 4-Tages-Woche und im Ein-Schicht-Betrieb jährlich rund 2.500 bis 3.000 Motoren zu fertigen.
Die Nachfrage steigt deutlich. In Zahlen bedeutet das, dass wir vor zwei Jahren rund 700 Motoren verkauft haben und im vergangenen Jahr etwa 1.000. Für dieses Jahr erwarten wir erneut ein spürbares Wachstum, bis zur Auslastung unserer Produktionskapazitäten ist hier jedoch noch viel Puffer. Sollten wir an unsere Grenzen stoßen, würden wir zunächst die Produktionstage von vier auf fünf oder sechs Tage pro Woche erhöhen bzw. eine 2-Schicht-Lösung implementieren. Dies würde allerdings nicht von heute auf morgen passieren. Die langen Vorlaufzeiten im Defence-Geschäft ermöglichen uns eine extrem gute Planbarkeit, so wissen wir bereits heute bei einzelnen Kunden die Mindestabnahme und somit Produktionsmenge für das Jahr 2029 und können Kapazitäten gezielt erhöhen.
Wie sichern Sie Liquidität und optimieren den Cashflow in langfristigen Defence-Projekten?
Verteidigungsprojekte sind wie schon gesagt ein Marathon, kein Sprint. Um bei den kapitalintensiven Vorlaufleistungen und den langen Zyklen mithalten zu können, setzen wir vorrangig auf zwei Lösungen.
Einerseits auf eine aktive Liquiditätssicherung durch Factoring. Damit wandeln wir unsere Forderungen unmittelbar in Liquidität um und halten unseren Cash-Zyklus kurz. So stellen wir sicher, dass das Kapital dort bleibt, wo wir es brauchen: in der Produktion und Entwicklung. Andererseits sichern wir unsere Lieferketten ab. Trotz grundsätzlich hoher Planbarkeit können sich Projektpläne in der Praxis verschieben, und Abrufe erfolgen mitunter später als geplant. Deshalb setzen wir auf Rahmenverträge mit festen Mindestabnahmen, um eine verlässliche Planungsgrundlage zu haben.
Das zentrale Schlüssel-Instrument bei Verzögerungen ist für uns das Reverse-Factoring. Wenn Bestellungen später abgerufen werden, nutzen wir dieses Tool, um Projektverschiebungen ohne Auswirkungen auf unseren Running Cashflow zu überbrücken. Gleichzeitig stabilisieren wir damit unsere gesamte Wertschöpfungskette und stellen sicher, dass eine zeitliche Verschiebung beim Kunden nicht zu einem finanziellen Engpass bei uns oder unseren Zulieferern führt. So entkoppeln wir unseren operativen Cashflow von der zeitlichen Dynamik großer Projekte.
Welche Faktoren machen für Sie eine erfolgreiche Bankpartnerschaft im Defence-Umfeld aus und was schätzen Sie in diesem Zusammenhang an der Zusammenarbeit mit der NORD/LB?
Entscheidend ist für uns zunächst eine grundsätzliche Offenheit gegenüber dem Defence-Sektor. Lange Zeit waren viele Finanzinstitute hier sehr zurückhaltend – teilweise sogar abweisend. Inzwischen hat sich die Situation jedoch deutlich verändert. Ebenso wichtig ist ein gutes Verständnis unseres Geschäftsmodells. Die Verteidigungsindustrie bringt ihre ganz eigenen Herausforderungen mit sich, die sich nicht immer linear in kurzfristige Forecasts übersetzen lassen. Finanzierungspartner, die diese Dynamik verstehen und gemeinsam mit uns Lösungen entwickeln, sind für uns besonders wertvoll. Die Zusammenarbeit mit der NORD/LB erleben wir in diesem Zusammenhang als sehr konstruktiv, partnerschaftlich und auf Augenhöhe.
Kontakt
-
Maximilian Faller
Firmenkunden | Bayern und Baden-Württemberg