Lars Rasche, Director Corporate Sales NORD/LB

„Corporate Sales: One size fits all gibt es bei uns nicht“

Im Handelsbereich bündeln wir unser NORD/LB Kapitalmarktgeschäft mit Standorten in Hannover, New York und Luxemburg. Der Bereich Corporate Sales ist für unsere Firmenkunden die Schnittstelle zu unserem Kapitalmarktgeschäft und erarbeitet insbesondere im Zins- und Währungsmanagement eine auf Ihr Unternehmen individuell zugeschnittene Sicherungsstrategie. Im Interview sprechen wir mit Lars Rasche, Director Corporate Sales, über Krisenresilienz, Veränderungen in der Zinspolitik und unser Angebot für Corporate-Treasury-Abteilungen.

Von der Niedrigzinsphase in die Zinswende, von stabilen Lieferketten in geopolitische Unsicherheit – wie verändern geopolitische Veränderungen das Risikobewusstsein in Unternehmen?

Im FX-Bereich war das Bewusstsein für Währungsrisiken bei den meisten Unternehmen schon immer vergleichsweise ausgeprägt. Das liegt in der Natur der Sache: Wechselkurse schwanken kontinuierlich und teils erheblich – man denke etwa an die Volatilität in geopolitischen Krisenphasen wie aktuell im Nahen Osten. Gerade bei Unternehmen mit sehr engen Margen im Kerngeschäft war und ist ein aktives Management von Währungsrisiken schlicht überlebenswichtig.

Anders sah es lange Zeit bei den Zinsänderungsrisiken aus. Während der ausgedehnten Niedrigzinsphase von 2014 bis 2022 wurden Zinsrisiken in vielen Unternehmen eher vernachlässigt, denn der Druck, diese Risiken aktiv zu steuern war zu dieser Zeit gering. Mit der schlagartigen Zinswende im Jahr 2022 änderte sich das: Die Geldmarktzinsen stiegen von -0,50 % auf bis zu 4,00 % Ende 2023 – ein enormer Anstieg in sehr kurzer Zeit. Dieser Zinsschock traf viele Unternehmen in einer ohnehin angespannten Phase, in der die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie deutlich spürbar waren. Wer die Zinsseite bis dahin ungesichert gelassen hat, spürte die Auswirkungen unmittelbar in der Liquidität.

Was empfehlen Sie Unternehmen, um gegenüber den genannten Unsicherheiten krisenresilienter aufgestellt zu sein?

Die wichtigste strukturelle Empfehlung ist, das Treasury konsequent weiterzuentwickeln, also weg vom reinen Cost Center hin zu einem proaktiven Service Center mit klar definierten Leitplanken für das Risikomanagement. Solange das Treasury primär als Kostenstelle wahrgenommen wird, fehlt oft der Anreiz und die Legitimation, Risiken frühzeitig und aktiv zu steuern. Ein Service Center hingegen versteht sich als interner Dienstleister, der das Unternehmen aktiv vor Marktrisiken schützt – und dafür auch die nötigen Handlungsspielräume besitzt.

Ein konkretes Beispiel aus der Zinssicherungspraxis verdeutlicht das gut: Klassischerweise warten viele Unternehmen mit dem Abschluss einer Zinssicherung bis zur finalen Unterzeichnung des Kreditvertrags. Das ist aus Risikosicht jedoch oft zu spät. Unsere Empfehlung lautet stattdessen: Wenn sich ein günstiges Marktfenster bietet – also eine Möglichkeit zur Zinssicherung auf oder unter dem internen Kalkulationszins des Unternehmens – sollte dieses Kapitalmarktniveau frühzeitig über einen Pre-Hedge abgesichert werden. Dass die finalen Details des zugrundeliegenden Grundgeschäfts zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig feststehen, muss kein Hinderungsgrund sein: Die Sicherung lässt sich im Nachgang noch immer flexibel an die endgültigen Parameter anpassen. Entscheidend ist, dass man das Zinsänderungsrisiko zum richtigen Zeitpunkt – nämlich dann, wenn der Markt es erlaubt – nahezu vollständig eliminiert hat. Das Prinzip gilt analog für andere Risikoarten: Proaktivität schlägt Reaktivität, insbesondere in volatilen Märkten.

Wie professionell sind die Corporate-Treasury-Abteilungen heute organisatorisch aufgestellt und welchen Stellenwert hat das Thema Risikomanagement in diesem Kontext?

In den letzten Jahren hat sich hier einiges getan. Die Professionalisierung des Corporate Treasury wurde vor allem durch die Corona-Pandemie getrieben. Die Pandemie hat wie ein Brennglas gewirkt: Liquiditätsengpässe, extreme Marktvolatilitäten und die plötzliche Notwendigkeit, Treasury-Funktionen vollständig remote zu betreiben, haben vielen Unternehmen schlagartig vor Augen geführt, wo organisatorische Schwachstellen lagen. Heute sind Treasury-Abteilungen deutlich strategischer aufgestellt und die meisten Unternehmen arbeiten mit zentralisierten Treasury-Strukturen. Bei kleineren, mittelständischen Unternehmen ist dies noch nicht flächendeckend der Fall, hier hakt es oft an limitierten Ressourcen und Systemen.

Insgesamt ist der Stellenwert des Risikomanagements dennoch deutlich gestiegen. Das Treasury entwickelt sich zunehmend von einer operativen Abwicklungseinheit zur strategischen Schaltstelle des Unternehmens. Wer Treasury heute noch als reine Verwaltungsfunktion betrachtet, unterschätzt dessen strategische Bedeutung für die Unternehmensresilienz.

Wie kann die NORD/LB Ihren Firmenkunden bei der Bewältigung dieser Unsicherheitsfaktoren helfen?

Unser Anspruch als NORD/LB ist es, dass wir unsere Kunden widerstandsfähiger gegenüber Unsicherheiten aufstellen wollen. Das erreichen wir für die Zins- und Währungsseite am besten über die Implementierung eines individuellen Mix an Sicherungsstrategien. Was hier Sinn ergibt, hängt stark vom Risikoappetit des jeweiligen Unternehmens ab, welche Währungen gesichert werden sollen und ob es sich etwa um einen Importeur oder Exporteur handelt. „One size fits all“ gibt es bei uns nicht. Was man aber im Allgemeinen festhalten kann ist, eine einseitige Fokussierung auf einzelne Sicherungsinstrumente ist selten optimal. Ein typisches Beispiel ist hier etwa die vollständige Absicherung von Währungsrisiken ausschließlich über Devisentermingeschäfte. Eine 100%ige Terminsicherung bietet zwar maximale Planungssicherheit, lässt dem Unternehmen aber keinerlei Spielraum, von einer günstigen Kursentwicklung zu profitieren. Sinnvoller ist es in der Regel, die Basissicherung mit einer Partizipations- und/oder Kursoptimierungskomponente zu kombinieren. So lässt sich Absicherung und Opportunität in ein ausgewogenes Verhältnis bringen.

Welche Sicherungsstrategie für das laufende Grundgeschäft oder einzelne Projekte am sinnvollsten ist, erarbeiten wir individuell mit unseren Kunden. Bei Bedarf unterstützen wir darüber hinaus dabei, die erarbeiteten Leitlinien in eine interne Treasury Police zu überführen. 

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