Treasury Flughafen BER
„Finanzielle Unabhängigkeit für den BER“
Der Flughafen Berlin Brandenburg (BER) hat sich in den vergangenen Jahren als leistungsfähiger und zukunftsorientierter Flughafen in der Hauptstadt etabliert. Mit steigenden Passagierzahlen, einer stabilen operativen Entwicklung und klaren Nachhaltigkeitszielen setzt der BER wichtige Impulse auch für andere Flughäfen. Im Interview sprechen wir mit Uta Süffert, Leiterin Corporate Finance & Treasury, über ihren jüngsten Meilenstein und die Rolle des BER als Verkehrsknotenpunkt.
Welche strategische Bedeutung kommt dem BER heute für die Hauptstadtregion zu und wie definiert sich seine Rolle als leistungsstarker Verkehrsknotenpunkt im nationalen und internationalen Kontext?
Die gesamte Entwicklung des BER ist eng mit den wirtschaftlichen und politischen Veränderungen der vergangenen Jahre verbunden. Nach der Standortentscheidung folgten zahlreiche Herausforderungen – von der globalen Finanzkrise über politische Rahmenbedingungen bis hin zur Corona-Pandemie. Nach diversen Verschiebungen konnten wir den Flughafen schließlich im Herbst 2020 eröffnen – mitten in der Covid-Krise – das erschwerte unseren Start und machte es auch unseren Mitarbeitenden nicht leicht.
In den vergangenen Jahren ist es jedoch gelungen, den Betrieb stabil zu entwickeln und viele Prozesse zu modernisieren. Die ursprünglichen Planungen stammen aus einer Zeit, in der digitale Technologien noch eine deutlich geringere Rolle spielten – man bedenke, dass die Planung vor der Einführung des iPhones startete. Kurz nach der Eröffnung konnten wir zahlreiche Abläufe weiterentwickeln und an die heutigen Anforderungen anpassen. Ein Flughafen ist ein hochkomplexes Infrastrukturobjekt, in dem viele operative Prozesse eng ineinandergreifen müssen. Besonders für Airlines sind effiziente Abläufe entscheidend. In den vergangenen Jahren haben wir deutliche Fortschritte erzielt, beispielsweise sorgt eine KI-basierte Softwarelösung auf dem Vorfeld dafür, dass die Flugzeugabfertigung besser und schneller läuft. Außerdem haben wir die meisten unserer Sicherheitskontrollen mit neuen CT-Scannern ausgerüstet, sodass Flüssigkeiten und elektronische Geräte im Gepäck bleiben können. Bei vielen Modernisierungen gehörten wir zu den ersten in der Branche, die diese Neuerungen einführten.
Ostdeutschland verfügt über eine geringere Flughafendichte als Westdeutschland, umso wichtiger ist es, dass wir ein hohes Maß an Konnektivität ermöglichen. Mit etwa 70 Airlines und rund 150 Zielen ist es gelungen, den BER als wichtigen Verkehrsknotenpunkt zu etablieren. Neben zahlreichen europäischen Verbindungen gehören Langstrecken nach Nordamerika, in den Nahen Osten und nach Asien zum Streckennetz. Für die Hauptstadtregion ist die internationale Anbindung ein wichtiger Standortfaktor – nicht nur für Wirtschaft und Politik, sondern auch für den gesellschaftlichen Austausch.
Welche Bedeutung hat das aktuelle 1,2‑Milliarden‑Euro‑Finanzierungspaket für die strategische Finanzierungsstruktur des BER?
Die Finanzierung im vergangenen Jahr markiert einen wichtigen – wenn nicht gar den wichtigsten – Meilenstein. Über viele Jahre hinweg war der Flughafen auf Bürgschaften von Bund und Ländern angewiesen. Ziel war es deshalb, eine Struktur zu entwickeln, die eine eigenständige Finanzierung ermöglicht. Auf der Basis von wirtschaftlicher Stabilität, Planungstreue und operativer Leistungsfähigkeit konnten wir ein Finanzierungskonzept entwickeln, das eng mit unserer Unternehmensstrategie verzahnt ist. Der Plan ging nur auf, weil alle Mitarbeitenden auf allen Posten an einem Strang gezogen haben und das gemeinsame Ziel vor Augen hatten.
Mit dem erfolgreichen Abschluss der Finanzierung – sogar schneller als ursprünglich geplant – sind wir einen wichtigen Schritt in Richtung finanzielle Eigenständigkeit gegangen. Vor zehn Jahren hätte kaum jemand erwartet, dass wir dieses Ziel so konsequent erreichen würden. Umso mehr zeigt das Ergebnis, wie stark sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren entwickelt hat.
Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil der BER‑Unternehmensstrategie. Welche konkreten Nachhaltigkeitsprioritäten verfolgen Sie derzeit?
Das Thema Nachhaltigkeit ist – neben der finanziellen Unabhängigkeit – eine weitere wichtige „Leitplanke“, wenn es um unsere unternehmerischen Entscheidungen geht. Unser Ziel ist es, spätestens bis 2045 CO₂-neutral zu werden. Um dies zu erreichen, ergreifen wir zahlreiche konkrete Maßnahmen. Dazu gehören Photovoltaikanlagen auf Dächern und Freiflächen, der Ausbau der Ladeinfrastruktur für elektrische Fahrzeuge auf dem Vorfeld oder die Umstellung der Beleuchtung auf energieeffiziente LED-Technologie.
Kürzlich haben wir die „Airport Carbon Accreditation Level 4“ Zertifizierung erhalten, die Auszeichnung würdigt insbesondere die systematische Erfassung und Reduktion unseres CO₂-Fußabdrucks sowie die verbindliche Zusammenarbeit mit Unternehmen am Standort, um gemeinsam konkrete Emissionsreduzierungen zu erreichen.
Damit haben wir erneut einen wichtigen Meilenstein erreicht und waren der erste deutsche Verkehrsflughafen auf dieser Stufe.
Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit der NORD/LB beschreiben und was zeichnet diese Partnerschaft aus Ihrer Sicht besonders aus?
Die Zusammenarbeit ist von großem Vertrauen und einem sehr partnerschaftlichen Austausch geprägt. Wir können miteinander lachen, aber auch hart in der Sache sein. Ferner können wir auch mal unverbindlich im Team brainstormen, gerade bei komplexen Finanzierungsvorhaben ist uns das wichtig. Die ruhige und verlässliche Arbeitsweise der Deal-Teams gewährleistete stets einen strukturierten und konstruktiven Verlauf während des gesamten Finanzierungsprozesses. Selbst bei unterschiedlichen Positionen konnten Themen stets offen angesprochen und lösungsorientiert geklärt werden.
Für uns ist es entscheidend, Partner zu haben, die unser Geschäftsmodell verstehen und sich intensiv mit den spezifischen Herausforderungen eines Flughafens auseinandersetzen. Außerdem können sich unsere Partner von unserem Angebot am BER jederzeit selbst überzeugen. Wir wünschen allzeit guten Flug.
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