Financial Services AG
„Wir öffnen bislang verschlossene Liquiditätskanäle"
Die ABACUS Financial Services AG erschließt Liquidität über klassische Bankfinanzierungen hinaus. Auf Basis innovativer Absicherungsstrukturen fungieren sie als Bindeglied zwischen Unternehmen und Kapitalgebern. Im Interview sprechen wir mit ABACUS Gründer und Geschäftsführer Robert Händler über verschlossene Liquiditätskanäle, atmende Finanzierungsmodelle und die Partnerschaft mit der NORD/LB.
Herr Händler, wie würden Sie ABACUS Financial Services AG in zwei Sätzen beschreiben – und welches Problem lösen Sie typischerweise für Industrie- und Handelsunternehmen?
Im Kern geht es immer um dieselbe Frage: Wie viel Liquidität braucht ein Unternehmen, um wirklich wachsen zu können? Und die Antwort ist meistens: mehr, als Banken in volatilen Phasen bereitstellen können und wollen. Wir sind darauf spezialisiert, mittelständischen, internationalen Unternehmen auf Basis ihrer Rechnungswerte maßgeschneiderte Liquidität zur Verfügung zu stellen.
Was zunächst einfach klingt, ist in der Praxis durchaus komplex. Die einzig echten Alternativen sind für viele Unternehmen entweder ein neuer Anteilseigner, der Gewinn- und Mitspracherechte einfordert – was die meisten Unternehmer zu Recht ablehnen – oder schlicht das Zurückbleiben hinter den eigenen Wachstumsmöglichkeiten. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, bislang verschlossene Liquiditätskanäle zu öffnen. Mein Zugang zu diesem Thema ist dabei kein theoretischer. Ich komme selbst aus dem Mittelstand – aus der Finanzierung eines Spezialisten für Strickmaschinen, wo es damals fast ein Ding der Unmöglichkeit war, mit einer hiesigen Bank die nötige Liquidität darzustellen. Es gab schlicht keine passende Absicherungsstruktur. Also habe ich eine entwickelt: gemeinsam mit einem Kreditversicherer, mit Rückbehalten und Deckungen, die es in dieser Form vorher nicht gab. Daraus ist ABACUS entstanden.
Was war der Auslöser dafür, ein „Absatzfinanzierungskonzept“ so zu denken, dass es auch in schwierigen Marktphasen skalierbar und robust bleibt?
Auslöser waren meine umfangreichen Erfahrungen in der Unternehmensfinanzierung. In volatilen Zeiten ziehen sich Finanzierungspartner häufig zurück. Durch eine Absicherung von Forderungen am Kreditversicherungsmarkt gibt es für refinanzierende Banken bei wechselnden Endkundenbonitäten jedoch keinen Grund, sich aus den Geschäften zurückzuziehen, solange die Absicherung Bestand hat. Das schafft Planungssicherheit, die weit über das hinausgeht, was klassische Finanzierungsstrukturen leisten können. Wir sind bisher ohne nennenswerte Schäden durch jede Krise gekommen.
Das Konzept ist darüber hinaus bewusst als atmende Finanzierungsform konstruiert: Es skaliert mit dem Unternehmen mit – nach oben wie nach unten. Das macht es zur idealen Beimischung in der Finanzierungsstruktur.
Warum ist Working Capital in volatilen Zeiten der zentrale Stabilitätsanker für Unternehmen – und wie lassen sich insbesondere Vorräte sowie daraus entstehende Intercompany-Forderungen so strukturieren, dass sie nicht zum Liquiditätsrisiko werden, sondern gezielt zur Finanzierung des Geschäftsmodells beitragen?
Gerade wenn ein Unternehmen in volatilen Zeiten große Aufträge abwickeln muss, wird die Finanzierung neuer Umsätze zur Priorität – auch dann, wenn die Bilanz noch nicht das widerspiegelt, was das Unternehmen eigentlich leisten kann.
Working Capital dreht sich schnell und ist nah am operativen Geschäft, es bietet sich in volatilen Zeiten naturgemäß als Finanzierungsgrundlage an. Das strukturelle Problem ist allerdings: Intercompany-Forderungen gegenüber ausländischen Tochtergesellschaften gelten im Bankbereich üblicherweise als nicht absicherungsfähig und fallen damit durch das Raster der klassischen Sicherheitenbewertung. Wir haben dieses Dilemma gelöst.
Wir ermöglichen eine variable, atmende Finanzierungsstruktur – ähnlich einem Kontokorrentrahmen – bei der ausschließlich die tatsächliche revolvierende Inanspruchnahme bezahlt wird. Wenn neue Aufträge kommen, ist die Finanzierung sichergestellt und der Umsatz kann realisiert werden. Das ist die eigentliche Stärke einer konsequenten Absatzfinanzierung.
Warum ist das Modell gerade für Banken interessant, die Working-Capital-Lösungen skalieren wollen – welche Hebel entstehen durch die Absicherung für Struktur und Volumenfähigkeit?
Für Banken liegt der Vorteil auf mehreren Ebenen. Erstens das Volumen: bei grenzüberschreitenden Forderungen gehen die anrechenbaren Sicherheiten in klassischen Bewertungsmodellen gegen null – damit kommen viele Finanzierungen schlicht nicht zustande. Wir ändern das. Durch unsere Absicherung können Banken auf das AA-Rating des Kreditversicherers finanzieren und nicht auf das des Kunden. Das verbessert die Risikostruktur erheblich und senkt die Standardrisikokosten, was sich direkt in höheren Erträgen niederschlägt. Zweitens die Skalierbarkeit: Wächst der Kunde, wächst die Finanzierung mit. Die Absicherung ist ebenfalls atmend strukturiert – Banken bleiben nah am Asset und profitieren unmittelbar von der Unternehmensentwicklung ihres Kunden. Risikominderung und Wachstumsteilhabe gehen hier Hand in Hand. Das ist ein Modell, das strukturell überzeugt – und das sich in der Praxis seit Jahren bewährt.
Unsere Zusammenarbeit im Working Capital feiert ihr zehnjähriges Jubiläum. Welche Aspekte der Partnerschaft zwischen ABACUS und der NORD/LB schätzen Sie besonders?
Zehn Jahre sind in der Finanzbranche keine Selbstverständlichkeit. Sie entstehen nicht durch Zufall, sondern durch gegenseitiges Vertrauen, geteilte Überzeugungen und eine Zusammenarbeit, die tatsächlich reibungslos funktioniert.
Was mich an der Zusammenarbeit besonders beeindruckt, ist die Kombination aus fachlicher Tiefe und echtem unternehmerischem Denken. Die Ansprechpartner der NORD/LB denken in Lösungen und das mit einer persönlichen Note, die ich in dieser Form selten erlebt habe. Menschlich und geschäftlich passt es einfach. Wir teilen dieselbe Überzeugung, wir möchten deutsche Unternehmen in herausfordernden Zeiten im globalen Wettbewerb unterstützen und mit innovativen, partnerschaftlichen Finanzierungslösungen echten Mehrwert schaffen. Ich bin überzeugt, dass wir gemeinsam noch das ein oder andere erreichen werden.
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Markus Stuka
Firmenkunden | Bayern und Baden-Württemberg