- NORD/LB rechnet für 2026 mit BIP-Anstieg von 1,1 Prozent in Deutschland und 1,0 Prozent in Niedersachsen
- Fiskalpolitik und Investitionen stützen Konjunktur - Unsicherheit durch Geopolitik und Handelskonflikte
- EZB signalisiert stabile Leitzinsen auf absehbare Zeit
Die Prognosen der Bank zeigen, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr auf einen moderaten Wachstumspfad zurückkehrt. „Wir erwarten einen Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts um 1,1 Prozent. Damit lässt die deutsche Wirtschaft 2026 die mehrjährige Schwächephase hinter sich, nachdem bereits im vergangenen Jahr eine Stabilisierung eingesetzt hat“, sagte Christian Lips, Chefvolkswirt der NORD/LB.
Die Rahmenbedingungen für diesen Aufschwung sind vielschichtig: Einerseits bleibt das internationale Umfeld von geopolitischen Spannungen und anhaltenden Handelskonflikten geprägt. Die US-Zollpolitik belastet vor allem die Exportwirtschaft, zugleich spüren viele Unternehmen die zunehmende Konkurrenz aus China. Andererseits legen eine expansive Fiskalpolitik und gezielte Investitionen das Fundament dafür, dass die Binnenkonjunktur an Fahrt gewinnt. Besonders die Maßnahmen aus dem Sondervermögen „Infrastruktur und Klimaneutralität“ dürften im Jahresverlauf 2026 erste spürbare Impulse für die Realwirtschaft liefern. „Entscheidend wird nun sein, dass die höheren öffentlichen Investitionen eine möglichst nachhaltige Wirkung entfalten, weshalb alle Maßnahmen zur Steigerung von Effektivität und Effizienz bei der Mittelverwendung zu begrüßen sind“, so Lips weiter. In den hohen Unsicherheiten sehen die Volkswirte der NORD/LB demnach kein unüberwindbares Hindernis. Bereits 2025 hatten sich Weltwirtschaft und Finanzmärkte als bemerkenswert resilient erwiesen.
„Wir erwarten für 2026 eine schrittweise Rückkehr der deutschen Wirtschaft auf den Wachstumspfad. Mit der expansiveren Fiskalpolitik und höheren öffentlichen Investitionen in Infrastruktur und Verteidigung zeichnen sich spürbare Impulse für die Konjunktur ab. Zugleich wirkt das Zinsniveau der EZB nicht mehr restriktiv und Zinserhöhungen sind noch in weiter Ferne. Es gibt also gute Gründe für etwas mehr Optimismus, der Funke muss allerdings noch überspringen“, ordnet Christian Lips die wirtschaftlichen Perspektiven ein.
Die Stimmung in den Unternehmen ist zum Jahreswechsel tatsächlich noch mehrheitlich von Zurückhaltung geprägt. Die Arbeitslosenquote dürfte sich jahresdurchschnittlich mit 6,3 Prozent auf dem Vorjahresniveau bewegen. Die Inflation bewegt sich nach Einschätzung der NORD/LB im Zielbereich; für 2026 wird für Deutschland und den Euroraum eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent erwartet.
Wie für die gesamte Bundesrepublik zeichnet sich auch für Niedersachsen eine positive Entwicklung ab. „Wir erwarten für das Jahr 2026 ein Wachstum der realen Wirtschaftsleistung von 1,0 Prozent“ prognostiziert Valentin Jansen, Volkswirt der NORD/LB. Die Konjunktur im Land wird dabei maßgeblich von den Investitionsprogrammen und einer anziehenden Binnenkonjunktur getragen. Besonders das Verarbeitende Gewerbe und das Bauhauptgewerbe profitieren von der Ausweitung öffentlicher Investitionen und regulatorischen Erleichterungen. Jansen betont: „Die Entwicklung bleibt jedoch abhängig von der Investitionsbereitschaft in Schlüsselbranchen und der weiteren Umsetzung von Infrastruktur- und Energieprojekten.“ Die Arbeitsmarktlage bleibt stabil: Nach einer Quote von 6,0 Prozent zum Jahresende 2025 wird auch für 2026 eine unter dem Bundesdurchschnitt liegende Arbeitslosigkeit erwartet. Die Herausforderungen für die Industrie – insbesondere im Bereich Automotive, Maschinenbau und energieintensiven Sektoren – bleiben bestehen. Belastungen ergeben sich weiterhin durch internationale Handelskonflikte, hohe Energiekosten und Unsicherheiten. Gleichzeitig bietet der Hochlauf der Investitionsmittel im Jahr 2026 in Bereichen wie Infrastruktur und Erneuerbare Energien neue Chancen für den Standort Niedersachsen.
Im Euroraum ist aus Sicht der NORD/LB für 2026 mit einem moderaten Wachstum von 1,2 Prozent zu rechnen. Vor diesem Hintergrund dürfte die Europäische Zentralbank ihren geldpolitischen Kurs fortsetzen und den Einlagesatz auf dem aktuellen Niveau von 2,00 Prozent belassen. „Im Dezember waren am Markt Spekulationen auf eine rasche Zinsanhebung aufgekommen. Diese Erwartungen waren übertrieben und sind nach dem zuletzt gemeldeten deutlichen Inflationsrückgang zurecht wieder in der Schublade gelandet“, erläutert Lips. Am Kapitalmarkt wird im Zuge der expansiven Fiskalpolitik und der Investitionsoffensive mit weiter leicht steigenden Renditen gerechnet; die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen dürfte Ende 2026 im Bereich von 3,0 Prozent und mittelfristig auch darüber liegen.
Die Volkswirte der Bank betonen, dass die Unsicherheit im globalen Umfeld weiterhin hoch bleibt. Risiken ergeben sich insbesondere aus der internationalen Handelspolitik, Geopolitik, Währungsentwicklungen und strukturellen Veränderungen in wichtigen Märkten. Gleichzeitig bieten gezielte Investitionen, eine stabile Geldpolitik und die fortschreitende Transformation der Wirtschaft Chancen für eine nachhaltig positive Entwicklung.
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Über die NORD/LB
Die NORD/LB Norddeutsche Landesbank gehört zu den führenden deutschen Geschäftsbanken. Als öffentlich-rechtliches Institut ist sie Teil der S-Finanzgruppe. Zu den Kerngeschäftsfeldern zählen Firmenkunden & Verbundgeschäft, Spezialfinanzierungen im Energie- und Infrastruktursektor, die Finanzierung von Gewerbeimmobilien über die Deutsche Hypo, das Kapitalmarktgeschäft sowie Privat- und Geschäftskunden einschließlich Private Banking. Die Bank hat ihren Sitz in Hannover, Braunschweig und Magdeburg und verfügt über Niederlassungen in Oldenburg, Hamburg, Schwerin, Düsseldorf und München. Außerhalb Deutschlands ist die NORD/LB mit einer Pfandbriefbank (NORD/LB Covered Bond Bank) in Luxemburg sowie mit Niederlassungen in London und New York vertreten.