Auf ein Wort mit Christian Röske

„Versäumnisse der Vergangenheit lassen sich nicht von heute auf morgen aufholen“

Wir sprechen mit Christian Röske, Leiter Firmenkunden Health Care bei der NORD/LB. Als Senior Relationship Manager im Firmenkundengeschäft bildet Herr Röske zusammen mit seinem erfahrenem Branchenteam das Rückgrat der NORD/LB für Firmenkunden der Gesundheitsbranche.

Frage: Wie lässt sich der Stand der Digitalisierung im Gesundheitswesen grob zusammenfassen?

Christian Röske: Nachdem sich über viele Jahre ein Reformstau aufgebaut hat, hat nun die Handlungsgeschwindigkeit des Gesetzgebers deutlich zugenommen. Seit 2016 gab es 6 große Gesetzespakete, die die Digitalisierung des Gesundheitssystems klar fokussierten. Versäumnisse der Vergangenheit lassen sich jedoch nicht von heute auf morgen aufholen. Zunächst einmal müssen die Grundlagen wie ein sichere Telematik Infrastruktur für e-Rezept, elektronische Gesundheitsakte und Co. geschaffen werden. Häufig stehen dafür noch keine passenden Hard- oder Softwarelösungen bereit und Standards müssen erst definiert werden. Gleichzeitig wurden den Ärzten und Kliniken enge und sanktionsbewehrte Fristen gesetzt, um Vorgaben umzusetzen, wodurch manchmal Unsicherheit und Unverständnis entsteht. Einige digitale Innovationen konnten aber bereits in der Pandemie einen sichtbaren Beitrag leisten; 2020 wurden 2,5 Mio. Videosprechstunden durchgeführt, es gibt mittlerweile Apps auf Rezept und das DIVI Intensivregister war zur Kapazitätssteuerung der COVID-19-Patienten für Kliniken eine große Hilfe.

Frage: Welche Finanzierungsbedarfe sehen Sie derzeit durch die Digitalisierung des Sektors?

Christian Röske: Oftmals gilt es für uns zunächst durch gut strukturierte Lösungen die Lücken zu füllen, die dadurch entstehen, dass viele Bundesländer ihrem Finanzierungsauftrag nur unzureichend nachkommen. In Zeiten knapper Gesundheitsbudgets erscheinen Investitionen in Gebäude und Geräte schlicht dringender als z. B. in ein neues Krankenhausinformationssystem. Für die Zukunftsfähigkeit des Systems ist jedoch beides dringend erforderlich. Verglichen mit Ländern wie den USA, den Niederlanden oder Österreich ist die Investitionsquote in die Digitalisierung hierzulande gering. Von einigen Experten wird alleine der Investitionsstau bei der Digitalisierung der Klinikbranche auf über EUR 30 Mrd. geschätzt. Unsere Aufgabe ist es, für unsere Kunden Lösungen zu finden, um in allen Bereichen wettbewerbsfähig zu sein und sich modern auszustatten. Die Erfahrung zeigt darüber hinaus, dass Digitalisierung auch die Arbeitsbedingungen des ärztlichen und pflegerischen Personals verbessern kann und dass ein modernes Arbeitsumfeld bei der Personalgewinnung eine große Rolle spielt.

Frage: Was sind häufige Herausforderungen dabei und wie lassen sich diese mit Unterstützung der NORD/LB lösen?

Christian Röske: Die lange Zeit der Coronapandemie hat unsere Kunden viele Herausforderungen meistern lassen. In nahezu sämtlichen gesundheitswirtschaftlichen Sektoren kam es zu großen Verwerfungen der Umsatz- und Absatzstrukturen, Lieferketten und Vertriebskanäle. In einigen Branchen des Health Care-Sektors haben stark gestiegene Personal- und Materialaufwendungen im Zusammenhang mit erhöhten Hygienemaßnahmen zu Belastungen in der GuV geführt; gleichwohl sind gewaltige Zukunftsaufgaben zu erfüllen. Der Investitionsdruck ist durch die Reformen der letzten Jahre nicht nur bei den Ärzten und Krankenhäusern deutlich gestiegen. Auch in der Medizintechnik erhöht die Einführung der neuen EU-Medizinprodukteverordnung die finanzielle Belastung durch massiv gestiegene Zertifizierungsanforderung und die damit verbundene Verlängerung der „Time-to-market“. Für den Mittelstand kann dies ohne kompetenten Finanzierungspartner durchaus existenzbedrohend sein. In allen Bereichen der Gesundheitswirtschaft unterstützen wir unsere Kunden mit individuellen, maßgeschneiderten Finanzierungslösungen. Unsere Lösungen zielen darauf ab, für unsere Kunden messbare und langfristig angelegte Vorteile im Bereich der Finanzierung, des Liquiditätsmanagements, der Kostenkontrolle und des Working Capital Managements zu identifizieren und umzusetzen. Dafür nutzen wir maßgeschneiderte Produkte, wie z.B. Cash Management, innovative Möglichkeiten für Forderungsankäufe im Gesundheitswesen sowie auch langfristige Finanzierungslösungen und Underwritings unter Einbindung des Kapitalmarktes.

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