26.09.2012

NORD/LB-Studie: Ernährungsindustrie vor Konsolidierungswelle

In der überwiegend mittelständisch geprägten deutschen Ernährungsindustrie nimmt der Konsolidierungsdruck weiter zu. Dies ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Branchenanalyse der NORD/LB. Nach der von den  M&A-Spezialisten des Corporate Finance-Teams der NORD/LB erstellten Studie ist die Branche seit Jahren durch Überkapazitäten, Kostendruck und niedrige Preise gekennzeichnet. Hinzu kommen die relativ große Macht des Handels sowie zurück gehende EU-Agrarsubventionen, die für zusätzlichen Druck auf die Lebensmittelproduzenten sorgen.

Vor diesem Hintergrund haben die Analysten die aktuellen Trends betrachtet, die die Ernährungsindustrie entscheidend beeinflussen. Im Fokus standen dabei insbesondere die Preise für Agrarrohstoffe, die im Jahresverlauf 2010 und zu Beginn des Jahres 2011 nochmals drastisch gestiegen sind. „Aufgrund einer steigenden Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln sowie Anbauflächen und Energie rechnen wir auch langfristig mit weltweit steigenden Agrarpreisen”, sagte Sabine Stenschke, M&A-Spezialistin der NORD/LB.

Die Autoren rechnen aufgrund des Klimawandels auch mit dem häufigeren Auftreten extremer Wetterereignisse und entsprechend negativen Auswirkungen auf die Ernten, die nur teilweise durch verbesserte Anbaustrukturen ausgeglichen werden können. Obwohl die zunehmende Liberalisierung des Handels eine schnellere Reaktion auf regionale Marktschwankungen ermöglichten, sei für landwirtschaftliche Produkte künftig mit höherer Preisvolatilität zu rechnen. Zudem könnten Unternehmen aufgrund des harten Wettbewerbs höhere Kosten nicht in vollem Umfang weitergeben, so dass sich ihre Ertragslage verschlechtere. „Das Beschaffungs- und Risikomanagement wird zu einem entscheidenden Erfolgsfaktor für Unternehmen”, so Olaf Hugenberg, Leiter Corporate Finance der NORD/LB. Infolgedessen gewännen auch für Nahrungsmittelhersteller Hedging-Strategien zur Absicherung gegen die Volatilität der Rohstoffpreise zunehmend an Bedeutung.

Die Experten der NORD/LB erwarten, dass die Bedeutung von Handelsmarken im Lebensmitteleinzelhandel weiter steigen wird. Daher könne die Fokussierung auf Handelsmarkenproduktion eine sinnvolle Strategie für mittelständische Nahrungsmittelproduzenten sein. Die hohe und konstante Nachfrage nach preisgünstigen Handelsmarkenartikeln biete ihnen die Möglichkeit, die Produktion kontinuierlich auszulasten oder durch größere Investitionen entstehende Kostenschübe besser zu absorbieren. „Wenn ein Unternehmen nicht die Finanzkraft hat, um mit millionenschweren Marketingetats Marken- oder Premiumprodukte im Handel zu etablieren, kann dies eine sinnvolle Strategie sein”, sagte Steffen Haack, M&A-Spezialist der NORD/LB.

Mit Blick auf die hohe Zahl an mittelständischen Unternehmen, ihrer geringen Konzentration und den schwierigen Rahmenbedingungen sei in der deutschen Ernährungsindustrie bereits ein Konsolidierungstrend auszumachen, der sich nach Auffassung des M&A-Teams der NORD/LB zukünftig noch verstärken wird. Umfang und Intensität der Konsolidierung seien dabei je nach Unterbranche unterschiedlich.

Für mittelständische Unternehmen stelle sich daher zunehmend die Frage, ob eine attraktive Nischenpositionierung oder das Erreichen einer kritischen Masse der geeignete Weg sei, um die zukünftigen Herausforderungen zu meistern. Nach Ansicht der Studienautoren werde es aber zu einem Ausdünnen der unternehmerischen Mitte kommen. Dies berge Gefahren, schaffe aber auch Chancen, um den Konsolidierungsprozess mit dem eigenen Unternehmen aktiv voranzubringen und die Branche neu zu prägen.

Eine pdf-Version der Studie „Strategische Herausforderungen im produzierenden Ernährungsgewerbe” kann von Journalisten bei der NORD/LB angefordert werden.

Ansprechpartner

NORD/LB Medien und Kommunikation
Friedrichswall 10
30159 Hannover


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