27.04.2012

NORD/LB stellt Studie zur Automobilwirtschaft in Niedersachsen vor

Hannover-Wolfsburg ist die bedeutendste Schaltzentrale der Automobilwirtschaft in Europa

Die Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg ist eine der weltweit führenden Steuerungszentralen der Automobilindustrie und im bundesdeutschen Vergleich sogar an erster Stelle unter den Topstandorten. Zu diesem Ergebnis gelangt eine Netzwerkanalyse im Rahmen einer neuen Studie der NORD/LB unter dem Titel „Die Automobilwirtschaft in Niedersachsen”, die am Freitag in Hannover vorgestellt wurde.

Die Automobilwirtschaft ist der größte Industriezweig in Niedersachsen. Rund 115.000 Beschäftigte erwirtschaften mit 77 Mrd. Euro mehr als 43 Prozent aller Umsätze des Verarbeitenden Gewerbes im Land. Dabei wurde rund die Hälfte dieses Aufkommens im Ausland erzielt, Westeuropa und die USA stellen die wichtigsten Absatzmärkte. Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat die Branche daher durch den Einbruch der Exporte zunächst spürbar getroffen, inzwischen ist jedoch wieder eine deutlich steigende Nachfrage zu verzeichnen.

Hannover-Wolfsburg: Rang 3 weltweit – hinter Tokio und Detroit

Mit Volkswagen ist in Niedersachsen einer der größten Automobilhersteller der Welt ansässig. Vor allem in der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg konzentrieren sich Produzenten, Zulieferer und Dienstleister der Branche. Die gut vernetzte Region präsentiert sich der NORD/LB-Analyse zufolge als das stärkste Steuerungszentrum der deutschen Automobilindustrie und verweist Stadtregionen wie Stuttgart, Frankfurt/Main und München auf die folgenden Plätze.

Auch im globalen Ranking tritt die Bedeutung der Metropolregion deutlich hervor. Nach Auswertung der Organisations- und Kapitalverflechtungen der 40 weltgrößten Unternehmen der Automobilindustrie belegt die Region mit den Standorten Hannover und Wolfsburg den dritten Platz, nur die Stadtregionen Tokio und Detroit weisen ein noch größeres Steuerungspotenzial auf.

„Die Metropolregion ist für den internationalen Standortwettbewerb gut positioniert”, sagte Torsten Windels, Chefvolkswirt der NORD/LB. „Angesichts der Herausforderungen, denen sich die Branche heute und in naher Zukunft gegenüber sieht, berechtigt dieser Befund zum Optimismus, aber nicht zur Sorglosigkeit”, so Windels.

Neue Märkte und Produkte

Die entscheidenden Wachstumsimpulse stammen heute von den Märkten in Amerika, Asien, Russland und anderen osteuropäischen Staaten, während der deutsche und (west-)europäische Markt weitgehend stagniert. Der Studie zufolge verändern die aufstrebenden Schwellenländer das Wettbewerbsgefüge jedoch nicht nur durch die Nachholeffekte beim Individualverkehr, sondern teilweise auch durch den ambitionierten Aufbau eigener Produktionslinien. Der internationale Wettbewerb dürfte sich daher auch unter dem Eindruck drohender Überkapazitäten künftig weiter verschärfen.

Für die deutschen Produzenten und Zulieferer werden so der Export und die Koordination internationaler Produktionen immer wichtiger. Ihre derzeit starke Wettbewerbsposition vor allem im Premiumsegment lässt sich allerdings nur behaupten, wenn die Anstrengungen zum Erhalt der Innovationsfähigkeit nicht nachlassen. Schließlich sieht sich die Automobilindustrie heute dem größten Strukturwandel seit ihren Anfängen vor 125 Jahren gegenüber. Im Zentrum dieser Entwicklung steht die Abkehr vom Verbrennungsmotor.

Innovations- und Zukunftsfelder

Wie die Studie weiter aufzeigt, sind es vor allem der Klimawandel und die zunehmende Ressourcenknappheit, die den Strukturwandel in der Automobilindustrie beschleunigen. Die wichtigsten Innovations- und Zukunftsfelder der Branche werden daher im Bereich der CO2-Reduzierung und der Ressourceneffizienz liegen. Dazu zählen etwa Optimierungen der Antriebe, effizientere Werkstoffe sowie neue Sicherheits- und intelligente Verkehrssysteme mit einem ausgewogenen Mobilitätsmix.

Die Abkehr vom Verbrennungsmotor wird die Geschäftsmodelle in der Automobilproduktion langfristig auf den Prüfstand stellen. Elektromotoren sind weniger komplex und weisen daher ein geringeres Wertschöpfungspotenzial auf. Ob eine Erweiterung des Portfolios der Hersteller um Mobilitätsdienstleistungen eine ausreichende Option sein wird, muss sich noch erweisen. Entscheidend für die anstehenden Aufgaben in Niedersachsen wird die Verfügbarkeit sowie die Aus- und Weiterbildung qualifizierter Fachkräfte in den branchenrelevanten Zukunftsfeldern sein. Die laufenden Projekte zu Elektro- und Hybrid-Fahrzeugen sowie Effizienzsteigerungen im Bereich der Verbrennungsmotoren, aber auch Dienstleistungen wie das Car-Sharing-Konzept „Quicar” von Volkswagen in Hannover lassen die Zukunftspotenziale der niedersächsischen Automobilindustrie aufscheinen.

Mit der Ernennung der Metropolregion zum nationalen „Schaufenster Elektromobilität” verfügt die Region nun über die Chance, den eigenen Wettbewerbsvorsprung in diesem zentralen Zukunftsfeld noch weiter auszubauen, betonte Windels. Hierbei sei nicht nur die ausgeprägte Vernetzung aller Partner innerhalb der Region, sondern auch die Funktion der Region als eines der bedeutendsten internationalen Steuerungszentren förderlich.


Studie Print-Version:
>Studie bestellen

PDF-Download:
>Die Automobilwirtschaft in Niedersachsen März 2012 (PDF, 2.3 MB) (PDF, 2,3 MB)


Kontakt:
Claudia Drangmeister,
Fon: +49 (0) 511 361-6564
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Ansprechpartner

NORD/LB Medien und Kommunikation
Friedrichswall 10
30159 Hannover


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