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>Quereinsteiger

Veröffentlicht am 23.02.2017
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Mit abgeschlossenem Studium in der Hand nochmal die Berufsschule besuchen und eine Ausbildung machen? Dazu noch die Branche wechseln und in das kalte Wasser springen? Wenn du dich in dieser oder ähnlicher Situation befindest, dann solltest du auf jeden Fall weiterlesen.

Als ich meinen Bachelor in der Tasche hatte und der Wechsel zum Masterstudium anstand, war ich mir nicht mehr sicher ob ich überhaupt das Richtige tue und mein Leben lang im Bereich Maschinenbau arbeiten wollte. Tatsächlich habe ich diverse Beratungsgespräche in Anspruch genommen und mich für einen Wechsel bzw. Neuanfang entschieden. Ich wollte in die IT, da meine Stärken und mein Interessenprofil perfekt abgedeckt wurden.

Nun stehe ich also mit Mitte 20 vor einem Bewerbungsprozess für Ausbildungen, da ein weiteres Vollzeitstudium in meiner Lebenssituation einfach nicht mehr möglich war. Da gingen mir erstmal nur Absagen wie: „Sie sind leider zu alt“ oder „Aufgrund Ihres Alters können wir Sie nicht berücksichtigen“ durch den Kopf. Natürlich widerspricht das dem Grundsatz der Gleichstellung, aber aus Sicht der Einstellenden ist das Alter natürlich auch ein wichtiger Aspekt. Zu meiner Überraschung habe ich fast nur Zusagen und positive Rückmeldungen bekommen und konnte meinen Ausbildungsplatz frei wählen. Auf meiner Liste standen die drei Bildungszweige Informatikkaufmann, Fachinformatiker für Systemintegration und Bachelor of Science Wirtschaftsinformatik. Schlussendlich habe ich mich aufgrund einer Entscheidungsmatrix für die Ausbildung zum Informatikkaufmann bei der NORD/LB entschieden und das bereits Vorweg (Spoiler Alarm ) – Diese Entscheidung war gold richtig.

Eine weitere Sorge lag im Bereich der Unterforderung oder Fehlbehandlung. Die Erfahrungen des ersten halben Jahres zeigen jedoch das komplette Gegenteil. Die Abteilungen stellen sich gut auf mich ein und behandeln mich schnell wie einen Kollegen. Die Aufgaben werden entsprechend angepasst und die Übernahme von Verantwortung wird mir ermöglicht. Begegnungen finden einfach auf Augenhöhe statt und Klischees wie kaffeekochende Azubis sind vielleicht lustig, aber haben nichts mit meiner Realität zu tun. Die Tätigkeiten in den einzelnen Abteilungen variieren stark, von Programmiertätigkeiten über Meetings bis hin zum Verfassen von verbindlichen Dokumenten ist alles dabei. Die einzelnen Betreuer passen dabei die Komplexität der Aufgaben schnell an das Kompetenzniveau des Auszubildenden an.

Die verschiedenen Abteilungen, die ich bisher kennenlernen konnte, bilden ein sehr breites Spektrum an Wissen ab, welches einzelnen Vorlesungen aus dem Studium in der Diversität sehr nahe kommt. Wie zuvor beschrieben konnte ich bereits in einigen Programmiersprachen Codes und verbindliche Dokumente für Anwendungen schreiben. Zusätzlich besteht immer die Möglichkeit an Besprechungen teilzunehmen und einen Überblick in die Verzahnung der Abteilungen zu gewinnen. Besonders schön sind auch die Momente wenn ich in einer neuen Abteilung Kontakt zu bisherigen Abteilungen aufnehme um meine Aufgaben zu lösen. Am Ende werden meines Erachtens alle Interessen und Schwerpunkte rund um das Thema IT bedient, was mich anfangs auch an der Ausbildung zum Informatikkaufmann besonders fasziniert hat. Die beste Beschreibung für die Platzierung dieses Berufszweiges ist eine Brücke zwischen Organisation und technischer Umsetzung in der IT, wobei einem die Wege in beide Richtungen stets offen stehen.

Ein Blick in die Berufsschulblöcke zeigt mir das praxisnahe Lernen von relevanten Inhalten für das Berufsleben. Im Vollzeitstudium geht es ja manchmal eher abstrakt zu und die Anwendung für die spätere Praxis bleibt teilweise auf der Strecke. Der Unterricht ist vergleichbar mit der Schulzeit, wobei das Alter der Schüler gut berücksichtigt und das Wissen häufig praktisch vermittelt wird. Hierbei bleibt viel Spielraum für die eigene Ausgestaltung der Lernfelder. In unserer Klasse sind einige „Quereinsteiger“ vertreten und das bietet Raum für einen Austausch. Es ist sehr faszinierend welche Wege möglich sind und dabei handelt es sich keinesfalls um Einzelfälle. Das Ausbildungssystem in Deutschland ermöglicht mir des Weiteren die Verkürzung der Gesamtausbildungszeit um ein halbes Jahr, wenn die Leistungen entsprechend stimmen. Sich ein sechstel der Ausbildungszeit zu „sparen“ ist für mich persönlich ein besonderer Anreiz um hohe Leistungen abzurufen.

Ein Wechsel oder Quereinstieg wirkt in Zeiten der perfekten Karrierewege wie ein Makel oder Unentschlossenheit, aber Veränderung ist wichtig und gehört zum Alltag der Menschen dazu. Die Welt wandelt sich jeden Tag ein bisschen schneller und auch wir Menschen können und müssen extrem wandlungsfähig sein. Gerade in der IT-Branche ist Flexibilität eine nicht zu unterschätzende Stärke, denn neue Technologien und Vorgaben entwickeln sich nirgendwo anders so schnell. Sich seiner Stärken bewusst zu sein und dazu zu stehen ist von entscheidender Bedeutung.

Egal ob Ausbildung oder Studium – Der Beitrag zum großen Ganzen hängt von der Person ab. Welchen Teil kannst und willst Du beitragen?

Jörn, Auszubildender zum Informatikkaufmann


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JerryWAL

19.10.2017 09:58

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