Der Syrer Darwish Barkel kam vor über sechs Jahren als Geflüchteter nach Deutschland. Mittlerweile macht er eine Ausbildung zum Bankkaufmann in der NORD/LB. Ich habe mit ihm über sein Leben in Syrien, seine Flucht und sein jetziges Leben in Deutschland gesprochen.

Wie sah dein Leben in Syrien vor der Krise aus?

D. Barkel: Ich bin im Norden von Syrien in einem Dorf in der Nähe von Aleppo aufgewachsen. Dort habe ich mit meinen 10 Geschwistern auf dem Bauernhof meines Vaters gelebt. Mit 11 Jahren musste ich das erste Mal umziehen, um weiter zur Schule gehen zu können, mit 14 Jahren habe ich schon alleine gewohnt. Im Jahr 2012 habe ich in Syrien einen Schulabschluss mit der Note 2,2 gemacht, der dem deutschen Abitur entspricht. In meiner Freizeit war Fußball mein großes Hobby.

Warum musstest du flüchten?

D. Barkel: In Syrien hatte ich keine Zukunft mehr. 2012 kam u.a. die Terrororganisation „al-Nursa-Front“. Seinerzeit war ich ein Mann von 19 Jahren, was bedeutete, dass mich jede Kriegsgruppe haben wollte, um zu kämpfen. Jeden Tag sind junge Menschen spurlos verschwunden oder gestorben. Das wollte ich nicht – deshalb bin ich geflüchtet.

Wie war deine Flucht?

D. Barkel: Sehr gefährlich. Ich bin alleine geflüchtet, weil mein Vater seinen Hof nicht aufgeben wollte. Ich bin über die Türkei und Italien nach Deutschland gekommen. Dafür musste ich mich mehrere Stunden zwischen den Rädern eines LKW verstecken und drei Tage und Nächte auf dem Dach eines Frachters auf offenem Meer verbringen. Das alles nur mit Jeans, Hemd, einem Liter Wasser und ein paar Datteln. Das war unvorstellbar – ich hatte Lebensangst und kannte niemanden in Europa.

Wie war deine Ankunft in Deutschland?

D. Barkel: Ich kam 2013 nach Bremen, als noch nicht viele Geflüchtete hier waren. Ich habe viel Hilfe erfahren dürfen und habe neue Freunde gefunden. Die Gesellschaft ist mir positiv begegnet und ich habe sehr viele nette Menschen getroffen. Ein Jahr später ist auch meine Familie nach Deutschland geflüchtet.

Wie bist du in die Bank gekommen?

Ursprünglich wollte ich Zahnmedizin studieren, dafür reichte aber mein Notendurchschnitt nicht aus. Dann wollte ich in die Bank, um einen Marktüberblick zu erhalten. Zudem haben viele einflussreiche Personen in einer Bank gelernt oder gearbeitet. Ich hatte mich deshalb in der ehemaligen Bremer Landesbank vorgestellt und ein Praktikum absolviert. Danach habe ich in der sog. Einstiegsqualifikation gelernt und mittlerweile mache ich meine Ausbildung.

Wie gefällt dir die NORD/LB?

D. Barkel: Sehr gut. Ich habe großes Glück, in einer so großen Bank wie der NORD/LB lernen zu dürfen. Viele deutsche Freunde hatten mir zuvor gesagt, dass Banker böse und arrogant seien. Ich habe das Gegenteil gesehen: viele nette Kollegen, die mich unterstützt haben. Auch wenn ich schon ein gutes Sprachniveau habe, hilft mir die Bank, wo sie kann, beispielsweise mit Nachhilfeunterricht. Meine Entscheidung, in die Bank zu gehen, war richtig.

Was machst du in deiner Freizeit?

D. Barkel: Ich bin weiterhin meiner großen Leidenschaft, dem Fußballspielen, nachgegangen. Außerdem engagiere ich mich politisch in einer Partei und gesellschaftlich in einem Flüchtlingsverein.

Was schätzt du am meisten an Deutschland?

D. Barkel: Freiheit, Gleichheit, Demokratie.


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