Strafzinsen oder festverzinsliche Wertpapiere und aktives Management?

Ein Fachartikel von Peter Saß, Portfoliomanager der NORD/LB

Bereits seit Jahren lässt sich mit der Geldanlage in festverzinsliche Wertpapiere keine auskömmliche Rendite erzielen. Bedingt durch die anhaltende Niedrigzinspolitik der Notenbanken gehen immer mehr Geldinstitute dazu über, Strafzinsen für private Kundeneinlagen zu berechnen. Im Frühjahr des vergangenen Jahres gab es zwar erste Anzeichen dafür, dass die Europäische Zentralbank inflationsbedingt Änderungen an ihrer Geldpolitik vornehmen und die Leitzinsen anheben könnte. Der Krieg in der Ukraine hat jedoch nicht nur den Preisanstieg beschleunigt, sondern auch das Wirtschaftswachstum gebremst. Die Notenbanken stehen vor dem Zielkonflikt von Inflationsbekämpfung und Wirtschaftsstabilisierung. Die Zinswende hat an Dynamik verloren.

Aktives Management am Anleihemarkt

Vor diesem Hintergrund sind die Herausforderungen einer Anlage in festverzinsliche Wertpapiere in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die Idee, Vermögen in Form von Liquidität zu parken und mit dem Investitionszeitpunkt auf ein höheres Zinsniveau zu warten, wird durch Negativzinsen für Kontoguthaben konterkariert. Zieht man zudem die Inflationsrate in Betracht, wird schnell deutlich, dass es schwierig ist, mit verzinslichen Anlageformen eine positive Realrendite zu erzielen. Der Realzins (Ergebnis aus Nominalzins abzüglich Inflationsrate) ist seit Jahren negativ und befindet sich derzeit auf einem Mehrjahrestiefstand.

 Quelle: Bloomberg, NORD/LB Asset- und Portfoliomanagement, Stand: 31.12.2021

Während vor 20 Jahren das Zinsniveau positive Realrenditen ermöglichte und eine mit wenig Aufwand verbundene „Buy and Hold“-Strategie („Kaufen und Halten“) durchaus zu guten Ergebnissen geführt hat, ist dies im fortwährenden Niedrigzinsumfeld, gepaart mit den beschriebenen Inflationsrisiken, nicht mehr möglich.

Gerade bei Anleihen guter Bonität wie Bundesanleihen und Pfandbriefen (Covered Bonds) sind negative Renditen auch bei längeren Laufzeiten seit Jahren die Regel.

 Quelle: Bloomberg, NORD/LB Asset- und Portfoliomanagement, Stand: 08.03.2022

Selbst bei einer Anlage in Anleihen geringer Schuldnerbonität, wie z.B. in Papiere aus dem Hochzinsbereich, in den Emerging Markets oder in Nachranganleihen wird es schwierig, nach Abzug der Inflationsrate eine positive Rendite zu erwirtschaften. Lediglich die Anlage in Hochrisiko-Währungen bietet derzeit eine ausreichend hohe Verzinsung. Vor dieser Möglichkeit schrecken jedoch viele Investoren angesichts des hohen Risikos zurück.

Eine auskömmliche Rendite im Sinne einer positiven Realrendite bei vertretbarem Risiko lässt sich daher nur als Gesamtperformance eines Anleiheportfolios verstehen und ist nur durch aktives Portfoliomanagement erzielbar.

Die Lösung liegt somit im aktiven Management und der ständigen Überwachung von Laufzeiten-, Bonitäts- und Emittenten-Risiken. Durch die aktive Selektion einzelner Anleihesegmente wie Unternehmensanleihen (Corporate Bonds), der Emittenten und der einzelnen Gattungen kann ein Mehrwert generiert werden. Basierend auf der Zins- und Emissionskurve eines Emittenten können günstige Anleihen identifiziert und allokiert werden. Dabei ist die ständige Überprüfung der Positionierung sehr wichtig. In diesem Zusammenhang sollten teuer gewordene Papiere diszipliniert verkauft werden.

Die Analyse der Fundamentaldaten der Emittenten ist dabei entscheidend für den Erfolg. Durch mögliche Rating-Verbesserungen können Kursgewinne entstehen. Auch die Einbeziehung von Nachhaltigkeitskriterien wird dabei immer wichtiger. Zusatzerträge sind auch über eine Zeichnung attraktiver Neuemissionen möglich.

Eine weitere Stellschraube zur aktiven Positionierung kann der Einsatz von Derivaten sein. Mögliche Ausweitungen der Risikoaufschläge bei Unternehmensanleihen können dabei über Credit Default Swaps (Kreditausfallversicherungen) sowie Zinssteigerungen über Zinsswaps (Tausch von Zahlungsströmen) oder Futures (Steuerung der Zinssensitivität auf Portfolioebene) abgesichert werden. Über diese Instrumente ist eine effiziente und kostengünstige Steuerung möglich.

Gerade im gegenwärtigen Niedrigzinsumfeld ist ein aktives Risikomanagement unerlässlich. Bei einer sich abzeichnenden Bonitätsverschlechterung sollten Anleihen konsequent verkauft werden. Ebenso ist die Beobachtung der Notenbankaktivitäten sehr wichtig. Ausgehend vom aktuell niedrigen Zinsniveau sind Zinssteigerungen aufgrund veränderter Marktbedingungen oder einer Änderung der Kommunikationspolitik der Notenbanken jederzeit möglich. Hier gilt es, Kursverluste durch aktives Zinsmanagement zu vermeiden.

Aktives Portfoliomanagement im Rentensegment bietet schlussendlich zahlreiche Stellschrauben, die komplex miteinander verzahnt sind. Wenn diese fein adjustiert und aufeinander abgestimmt sind und ständig überwacht werden, lassen sich auch im aktuellen Marktumfeld mit Anleihen solide Renditen erzielen. 

 

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